Über den Umbau eines Vans – Oder: ein Leben zwischen Baumarkt und Garage


Der Umbau eines Transporters und das Reisen mit demselben stellt den Traum vieler Menschen dar, aber ist ebenso als ein kosten- und zeitintensives Projekt abgetan. Ich habe diesen Traum wahr werden lassen und ja, ich habe viel Zeit und Geld investiert. Aber letztendlich bin ich froh diesen Schritt getan zu haben.

 

Wenn du auch von der Idee angetan bist deinen eigenen Transporter zu deinem neuen Zuhause umzubauen, kann ich dich nur dazu ermutigen es zu tun. Mit meinem Post möchte ich genau denen hilfreiche Tipps geben, die sich bereits dazu entschieden haben oder zukünftig vorhaben, sowie die zu unterhalten, die sich einfach für das Thema interessieren.

 

Planung ist alles

 

Für den Umbau meines Vans habe ich ca. 400 Stunden in der Garage verbracht und ungefähr die gleiche Zeit noch einmal in Recherche, Planung und Käufe im Baumarkt investiert. Die Zeit für die Vor- und Nachbereitung sollte man dabei nicht unterschätzen. Das Planen, Designen und Recherchieren über Lösungen und Techniken ist ebenso wichtig, wie der Umbau selbst. Es gibt so viele Details, die man beachten und durchdenken muss, da es nicht DIE Wahrheit gibt. Jeder Van ist individuell, allein schon aus Sicht der eigenen Vorlieben, des Zwecks und auch des Budgets. Dabei sind nicht alle Themen aufregend oder spaßig. Beispielsweise interessierte mich nie der Unterschied zwischen einem Absorber- und Kompressorkühlschrank oder die Arten von Bereifung eines Autos, noch machten mich Modelle verschiedener Bordtoiletten an. Und doch sind sie wichtig! Jedes dieser Themen hat seine Berechtigung und lauter verschiedene Empfehlungen im Internet. Jeder weiß es besser und man muss für sich selbst entscheiden, was in das eigene Konzept passt. Nur Mut!

 

Insbesondere am Anfang verbringt man nur Zeit mit lesen, lesen und nochmals lesen. Es gilt Unterschiede in Funktion, Installation, Preis und Gewicht, sowie in einigen Fällen im Energieverbrauch zu finden. All diese Komponenten spielen letztendlich zusammen, wenn es um das Budget, das Platzangebot und die Ressourcenversorgung (Wasser, Elektrizität, Gas etc.) geht. Nach der Phase des Lesens folgt also die Phase der Entscheidungen. Nicht nur die wesentliche Entscheidung des Transportermodells, sondern Entscheidungen bezüglich des Raumkonzeptes, verbauter Geräte und die Art der Energieversorgung stehen an. Allein für diese Grundidee geht eine Menge Zeit ins Land und dabei wurde noch nicht einmal ein Kauf getätigt, noch der eigentliche Umbau begonnen.

 

Die wesentliche Frage zum Beginn der Planung ist: „Was ist notwendig?“ Und dort scheiden sich die Geister. Themen wie Toilette, Dusche, Kochstelle, Kühlschrank, Betten, Platz für Fahrräder, Haustiere und elektrische Geräte sind äußerst individuell. Während die einen einen richtigen Herd mit Ofen brauchen (wie ich :)), legen andere Wert auf genügend Raum für Sportgeräte. Ebenso konnte mein Vater nicht verstehen, warum ich weder Soundanlage noch einen festen Fernseher verbauen wollte. Jeder hat andere Vorlieben! Wichtig ist dabei die benötigten Ressourcen nicht außer acht zu lassen. Dabei meine ich nicht nur Kosten, sondern vor allem der Verbrauch von Wasser, Strom und/oder Gas. Diese wiederum entscheiden welche Batteriegröße oder welchen Platz für Gasflaschen sowie Wasserkanister du brauchst (Gewicht!). Ihr seht, alles geht ineinander über und spielt zusammen. Und genau deswegen ist ein Ausbau so individuell und planungsintensiv. 


Im Interview bei »Peace Love and Om« erzählt Vicky über ihren Selbstausbau und zeigt ihren Van:


Transporter als erstes entkernen

Nachdem ihr all diese Fragen beantwortet habt, steht das Grundkonzept und höchstwahrscheinlich der Kostenrahmen. Dieses Grundkonzept hat absichtlich seinen Namen, denn ihr werdet höchstwahrscheinlich diesen Plan (öfters) umwerfen und anpassen. Und das ist vollkommen normal, da ihr erst während des Ausbaus wichtige Erkenntnisse gewinnt. Oftmals entscheidet der Aufbau des Vans (statisch wichtige Verstrebungen oder die Karosserie) über die Details oder eure Meinung ändert sich schlichtweg. Daher ist es sehr wichtig nicht an einer Idee festzuhalten, sondern flexibel an und mit dem Van zu arbeiten.

 

Nach der ganzen Vorbereitung ist es nun wichtig den gekauften Van zu begutachten und alle Teile zurück zu bauen. Dazu gehört das Entfernen der alten Verkleidung und Aufbauten, sowie fest verbaute Regale oder Sitze. Dadurch liegt nun der eigentliche Fahrzeugkern frei und ihr seht ob Karosseriearbeiten, Rostbehandlung oder die Beseitigung anderer Schäden notwendig sind. Falls ihr die Trennwand zwischen Fahrerkabine und Transportraum offen gestalten wollt, macht es Sinn diese Trennwand jetzt zu entfernen. Auch der Einbau anderer Sitze macht vor dem Einbau der Wandverkleidung und des neuen Bodenbelags Sinn. Nun folgt der Einbau der Fenster an den Stellen, die euer Grundkozept vorsieht. Dazu werden Aussparungen in die Karosserie geschnitten (ich verwendete eine Stichsäge) und Hilfsrahmen aus Holz eingeklebt, sowie das Fenster eingesetzt. Auf Dichtigkeit prüfen, indem ihr mit einem Gartenschlauch die neu verbauten Fenster ordentlich beregnet.

Isolation, Verkleidung, Strom verlegen

Danach folgt die Isolation. Ich habe den gesamten Van isoliert (Armaflex 19mm und 6mm), um Wärme-Kälte-Brücken und die Kondensation von Wasser zu vermeiden. Außerdem möchte ich auch bei kälteren Temperaturen reisen können. Es ist zwar mehr Aufwand, jedoch aus meiner Sicht nützlich. Nun folgt die Verkleidung der isolierten Wände entweder mit Holz, Filz oder Plastik. Nun bekommt euer Van endlich ein freundlicheres Aussehen. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass euer Konzept größtenteils stehen muss, da Kabel hinter der Verkleidung verlegt werden muss. Dazu müssen die Anforderungen der Geräte an den Kabelquerschnitt und die Kabelart bekannt sein. Ich habe mit der Verkleidung der Wände auch die neuen Trennwände eingebaut. Dazu zählt die teilweise Abtrennung zur Fahrerkabine sowie meiner kleinen Toilette. In diesem Schritt werden auch elektrische Lichtquellen verbaut, welche ausreichend Licht zur Nachtzeit spenden sollen.

 

Im nächsten Schritt habe ich die Heizung verbaut (webasto Airtop 2000), sowie die Solaranlage und die Verbraucherbatterien installiert. Dafür habe ich mir Hilfe organisiert, da mir die Themen zu heikel waren und ich als gelernte Kauffrau eher weniger davon verstand. Erst reicht der Einbau von Schutzschaltern, Reglern und des Wechselrichters überstiegen mein technisches Wissen. Außerdem wollte ich jemand anderen beschuldigen können, wenn etwas nicht funktioniert.

 

Besonderes Augenmerk: die Küche

Nun folgte der spannende Teil und der Einbau von Möbeln, wie Bett, Regalen und der Küche. Der Van bekam nun seine individuelle Note und sah mehr nach einem zukünftigen Zuhause aus. Spätestens beim Einbau der Küche kommt das Thema eines Gassystems auf. Fragt am besten vorher beim Gasinstallateur eures Vertrauens, was ihr beachten müsst. Dabei geht es nicht nur um eure Sicherheit sondern auch um die Abnahme beim TÜV. Ohne positive Gasprüfung erhaltet ihr keine Zulassung zum Wohnmobil. Im gleichen Atemzug habe ich auch den TÜV aufgesucht und nach deren speziellen Anforderungen gefragt. Somit stand einem erfolgreichen Einbau der Küche (und auch der restlichen Möbel) nichts mehr im Wege.

 

 

Nachdem alle Möbel verbaut sind, folgen lauter, nicht zu unterschätzende Kleinigkeiten. Dazu gehören unter anderem der Bau von Schubladen, Einbau von Griffen, Zuschneiden einer Matratze sowie dessen Bezug, diverse Malerarbeiten (falls nicht schon geschehen) oder die Montage einer Dusche. Die Liste scheint schier unendlich mit „kleineren“ Dingen, die jedoch notwendig sind. Aber das schönste daran ist, dass das Ziel näher kommt. Das bedeutet auch, dass etwas Deko nicht verkehrt ist. Kissen, Vorhänge, Bilder oder andere Dekoelemente machen den Van erst persönlich und für euch perfekt.


»Der Ausbau-Ratgeber für die Vanküche – Leitfaden für Selbstausbauer«

 

Über den Ausbau ihres Vans »Spencer« hat Vicky ein Buch geschrieben, in dem sie ihren Fokus besonders auf den komplexesten Teil des Umbaus legt: die Vanküche. Alle Ergebnisse ihrer detaillierten und umfangreichen Recherchen und ihre Erfahrungen fasst sie in diesem kleinen Ratgeber kompakt zusammen und möchte dir damit viele Stunden des Kopfzerbrechens ersparen.

 

Ebenfalls im Buch:

• praktische Checkliste aller benötigten Materialien

• konkrete Hilfe bei der Kostenplanung

• Tabelle mit sämtlichen Arbeitsschritten in chronologischer Reihenfolge

• zahlreiche Tipps und Tricks für den Vanausbau allgemein

• Packliste mit allen nötigen Utensilien für die Vanküche

• ein paar leckere Rezepte aus »The Van Taste – Ein kulinarischer Roadtrip mit dem Camper durch Europa«

 

Taschenbuch

60 Seiten

8,95 €                                                             -- Mehr Infos zum Buch findest du hier --


Safety first

Letztendlich möchte ich daran appellieren, an Sicherheitsaspekte zu denken. Checkt, ob ihr neue Reifen benötigt (und auch sonst den technischen Zustand des fahrbaren Untersatzes), verbaut Rauch- sowie Gasmelder und einen Feuerlöscher, verstaut einen Erste-Hilfe-Kasten in griffbereiter Nähe und ggf. zusätzliche Schlösser an den Türen eures Vans. Danach könnt ihr Richtung Gasabnahme und TÜV rollen, um daraufhin die Fahrzeugpapiere und die Versicherung ändern zu lassen (positiver Effekt auf den Geldbeutel!).

Tja und dann … Nach Stunden der Planung, Recherche und des Ausbaus kann es tatsächlich zur ersten Testfahrt gehen. Manche Einbauten mögen noch klappern oder Schubladen nicht halten, sodass ein Feintuning erforderlich ist. Aber dann kann es endlich losgehen!

 

Sicherlich habe ich in meinem Post nicht alle Themen im Detail besprochen und auch einige Dinge nicht berücksichtigt, die in meinem Van nicht verbaut sind. Daher gibt es nur eine Idee eines Ausbaus.

Wichtig ist jedoch, dass ich jeden dazu ermutigen möchte so ein Projekt zu starten! Möge es noch so aufwendig, zeitintensiv und an mancher Stelle frustrierend sein – bleibt geduldig und vertraut euch selbst und eurer Idee. Die Stunden in der Garage, im Baumarkt und vor dem Laptop werden sich lohnen. Genießt den Ausbau und denkt immer an die entschädigende Zeit danach!

 

Ich präsentiere nun stolz das Ergebnis des Umbaus:


Impressionen von »Spencer«


»The Van Taste – Ein kulinarischer Roadtrip mit dem Camper durch Europa«

von Victoria Lommatzsch

 

»The Van Taste« nimmt dich mit auf einen spannenden Roadtrip quer durch Europas Küchen. Victoria ist mit ihrem selbstausgebauten Van ein Jahr über den Kontinent gereist, immer auf der Jagd nach kulinarischen Highlights entlang der Route, die Abwechslung in die Campingküche bringen. Dafür war sie hochseefischen in Norwegen, melkte Ziegen in den Pyrenäen, schnupfte belgischen Kakao, besuchte Märkte, Röstereien, Destillerien und kleine Manufakturen und nahm an Kochkursen und Verkostungen für Käse, Bier, Olivenöl und vielem mehr teil. Sie lernte unsere Nachbarländer mit allen Sinnen kennen und erlebte dabei nicht nur die verrücktesten Geschichten, sondern lernte auch viele inspirierende Menschen und ihre herzerwärmende Gastfreundschaft kennen. Über 80 Rezepte hat sie schließlich zusammengetragen und für die Campingküche angepasst. Alle sind mit wenigem Equipment und einfachen, frischen Zutaten zuzubereiten – absolut vantauglich und verdammt lecker!

-- Mehr Infos zum Buch findest du hier. --


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