Happy Road – Dem Weg ist das Ziel egal

 

von Sarah Kringe

 

„Also i find’s a guats Platzl“, versucht Mathias mich in seinem schönsten Österreichisch zu überzeugen. Ich schaue auf den malerischen Feldweg, auf dem wir stehen, die Blumenwiese neben dem Bus, das traditionelle rumänische Kreuz an der Weggabelung und die himmelweite Aussicht: Ich finde es zum Kotzen.

 

Wie ist es, wenn man mit dem neuen Partner, den man eigentlich kaum kennt, auf drei Quadratmetern zusammenlebt? Eine Pressereferentin aus Berlin und ein Skilehrer aus den österreichischen Bergen haben es ausprobiert und sind sieben Monate in einem umgebauten Transporter durch Europa gereist. Welche zwischenmenschlichen Hürden sie hierbei zu überwinden hatten, erzählt die Autorin auf humorvolle Weise.

Sie berichtet von ukrainischen Grillpartys, wildgewordenen montenegrinischen Schafherden und davon, wie ein Bär versuchte, ihr Nummernschild zu klauen. In diesem Buch findet niemand die Formel zum Glück oder justiert sein Nasen-Chakra neu. Vielmehr gibt es auf witzige Weise einen ehrlichen Einblick in den Camperalltag und räumt dabei mit der heilen Instagram-Vanlife-Welt auf. Denn spätestens, wenn man bei Minusgraden mit Blasenentzündung in einem Bus ohne Toilette sitzt, hört der Spaß auf. Wirklich.

  

296 Seiten

C2C Broschur

ISBN 978-3-947824-151

150 x 225 mm

Happy Road

19,95 €

  • verfügbar
  • 1 - 2 Tage Lieferzeit1

Klimapositiv produziert


 

Happy Road für dein Tablet für nur 9,95 €



Über die Autorin

Sarah Kringe, 36, ist vor 20 Jahren das letzte Mal mit ihren Eltern im Wohnmobil verreist und hat sich damals geschworen, niemals wieder in einem Haus auf Rädern Urlaub zu machen. In ihrem Leben vor dem VW-Bus war sie Pressereferentin eines Bundestagsabgeordneten und hauptsächlich mit dem Verfassen von Pressemitteilungen und der Auswertung parlamentarischer Prozesse beschäftigt. Mittlerweile hat sie andere wichtige Fähigkeiten dazu gewonnen, wie das Ausnehmen von Fischen, Feuer machen mit nassem Holz und kalt duschen, ohne mit der Wimper zu zucken. Außerdem hat sie einen siebten Sinn für gute Stellplätze entwickelt und gelernt, wie man ein festgefahrenes Auto frei bekommt (mit viel Gas).

 

Sarah und Mathias sind noch immer ein Paar und haben die interkulturellen Herausforderungen ihrer Beziehung weitestgehend gemeistert. Die beiden reisen nach wie vor häufig mit ihrem VW-Bus durch Europa. Der Grant bleibt dabei meistens zuhause, dafür haben sie jetzt einen kotzenden Hund dabei. 

 

 


Leseprobe

Den ersten Lagerkoller bekommen wir, als wir seit ungefähr sechs Wochen unterwegs sind. Die letzten drei Tage haben wir mit unserem braunen VW-Bus an einem Stausee in den Bergen des Retezat Nationalpark gecampt. Schon bei unserer Ankunft hing grollend ein Gewitter in den Bergen, das in der Nacht lautstark und bildgewaltig über unseren Stellplatz gezogen ist. Der Beginn einer Schlechtwetterfront, die neben Regen vor allem kalte Luft gebracht hat. In diesen drei nebeldunstigen Tagen, die wir, sonnen- und sommerverwöhnt, darauf gewartet haben, dass es endlich genug aufklart, um wandern zu können, ist zwischen meinem Freund und Reisegefährten Mathias und mir ebenfalls ein Unwetter aufgezogen, das sich heute Abend entladen wird.

 

„Ich weiß nicht, ist mir egal“, sage ich achselzuckend und bleibe demonstrativ im Bus sitzen. Wir versuchen seit ungefähr einer Stunde, einen Stellplatz in den grünen waldigen Hügeln um Sibiu zu finden. Eigentlich wollten wir heute Morgen zeitig los, aber bis wir all unseren Kram verstaut hatten, hat es wieder einmal länger gedauert. Zwar hat jedes Teil in unserem Bus seinen Platz, aber hin und wieder definieren Mathias und ich diesen Platz sehr unterschiedlich. Während ich beispielsweise meine Sonnenbrille am liebsten irgendwohin lege, legt Mathias sie immer aufs Armaturenbrett.

 

Auch wenn wir seit Beginn unserer großen Reise Anfang Juni von Woche zu Woche eingespielter werden: Die Wahrheit ist, dass wir einen großen Teil unseres Alltags damit verbringen, Dinge hin und her zu räumen und anschließend zu suchen. Für jemanden wie mich, mit einem eher kreativen Verständnis von Ordnung, kein Problem. Für Mathias, mit einem praxisorientierten Verständnis von Ordnung, eine mittelschwere Katastrophe. Ein erstes Krisengespräch am vergangenen Abend verlief ungefähr so wie die Debatten im UN-Sicherheitsrat zum Massaker von Srebrenica. Jeder sagt seine Meinung, aber am Schluss wird keine gemeinsame Resolution verabschiedet.

 

So sind wir heute Morgen also bereits mit einem Bussegen in Schieflage gestartet. Ich habe außerdem Migräne und schon den ganzen Tag unterschwellig schlechte Laune. Was genau mich an dem Stellplatz, den Mathias in den Hügeln gefunden hat, stört, kann ich gar nicht sagen. Es ist ruhig, die Aussicht reicht über halb Siebenbürgen, wir stehen nicht auf Privatgrund und für eine Nacht ließe es sich hier absolut aushalten.

 

„Also i find’s a guats Platzl“, versucht Mathias mich in seinem schönsten Österreichisch zu überzeugen. Ich schaue auf den malerischen Feldweg, auf dem wir stehen, die Blumenwiese neben dem Bus, das traditionelle rumänische Kreuz an der Weggabelung und die himmelweite Aussicht: Ich finde es zum Kotzen. „Hrpmf“, grumpfe ich vor mich hin, die Arme trotzig vor der Brust verschränkt. Ich muss Mathias gar nicht anschauen, ich kann sein Augenrollen förmlich spüren. „Okay, was genau passt dir nicht an dem Platz?“, fragt er, und ich höre, wie er sich krampfhaft bemüht, nicht genervt zu klingen. Selbstverständlich nervt mich das noch mehr und ich beschließe, gar nichts mehr zu sagen. „Jetzt sag’s halt“, Mathias schafft es immer weniger, einen halbwegs entspannten Tonfall beizubehalten. Ich schweige und die Sekunden ziehen sich wie Gummi-Expander. „Das Gras ist mir zu hoch!“, schnappe ich schließlich. Mein Freund steigt seelenruhig ins Auto, startet den Motor und brettert wortlos den Feldweg hinunter.

 

Während er, das Lenkrad mit weiß leuchtenden Knöcheln umklammernd, zur Windschutzscheibe hinaus stiert, denke ich daran zurück, wie das alles angefangen hat. Warum ich jetzt schlecht gelaunt mit einem ebenso schlecht gelaunten Österreicher einen rumänischen Feldweg hinunter fege und wieso ich mich trotzdem pudelwohl fühle und um nichts in der Welt tauschen würde.


Impressionen aus dem Buch


Außerdem im Wenn Nicht Jetzt-Verlag erschienen:

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